Alles im grünen Bereich

Ja, es ist Winter! Und dass dieser, zumindest im Flachland, seine trüben Seiten haben kann, wurde im vergangenen Dezember deutlich. Er war einer der sonnenärmsten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Viele sehnen sich zu dieser Zeit ganz besonders nach dem Frühling. „Nach grüner Farb´ mein Herz verlangt….“. So beginnt ein bekanntes Volkslied aus dem 17. Jahrhundert, nur um dann fortzufahren, „….in dieser trüben Zeit. Der grimmig Winter währt so lang, der Weg ist mir verschneit….“

Bild von einem Garten bei Sonnenschein
Foto: pixabay

Na ja, mit dem Schnee ist das so eine Sache. Aber das ist eine andere Geschichte. Fest steht, dass die Farbe Grün auf uns meist eine friedliche, erfrischende und ausgleichende Wirkung ausübt. Gestresste Großstädter, und nicht nur diese, fahren gerne ins Grüne oder holen sich via urbanem Gartenbau das fehlende Grün gleich zu sich in die unmittelbare Nachbarschaft. Schon den Römern bedeutete Grün Wachstum und Gedeihen. Etymologisch liegt die Wurzel des Wortes „grün“ im germanischen Wort „ghro“, das so viel wie gedeihen heißt.

Auch die alten Ägypter verehrten die Farbe, die symbolisch für die Fruchtbarkeit des Nils stand. Andere Kulturkreise bringen der Farbe noch eine viel größere Verehrung bei. So war Grün die bevorzugte Farbe des Propheten Mohammed. In einer kargen Wüstenlandschaft vielleicht nicht überraschend. Aber auch die Chinesen verehren die Farbe als Symbol des Wachstums und eines langen Lebens.

In der christlichen Tradition hat die Farbe ebenso ihren festen Platz. Grün symbolisiert meist Hoffnung und Neuanfang. So beginnt die Karwoche mit dem Palmsonntag. Der Gründonnerstag ist der fünfte Tag der heiligen Woche, der Tag des Abendmahls Jesu mit den zwölf Aposteln. Und auch im Mittelalter wird Grün immer wieder mit dem Frühling in Verbindung gebracht.

Im berühmten Stundenbuch der Gebrüder Limburg für den Herzog von Berry, finden sich im Kalenderblatt des Monats Mai unterschiedlichste Grüntöne. Die Häupter der Personen sind mit grünem Laub umwunden. Man vermutet, dass das helle Grün der Kleider der Mädchen ihre Tugendhaftigkeit symbolisieren soll.

Frères Limbourg - Stundenbuch: Der Monat Mai
Stundenbuch: Der Monat Mai

Aber Vorsicht! Grün kann auch anders.

Zumindest in unseren Breiten ist die Geschichte der Farbe durchaus ambivalent. So steht sie eben nicht nur für die grüne Welle und freie Fahrt, sondern auch für Unreife. Der Begriff des „Grünschnabels“ verdeutlicht dies anschaulich. Und wer gerne Karl May Romane gelesen hat, dem ist die englische Entsprechung des „Greenhorn“ sicherlich auch noch ein Begriff.

Grüne Ampel
Foto: pixabay

Aber auch in der christlichen Tradition ist Grün nicht eindeutig positiv besetzt. So war zwar vom Palmsonntag schon die Rede, viele Heilige wurden auf mittelalterlichen Gemälden mit grünen Gewändern als Symbol der Hoffnung gemalt. Aber auf eben diesen Gemälden finden sich reihenweise grüne Teufel, Drachen und diverse Fabelwesen. Der Drache, den der Erzengel Michael tötet, wird zumeist in Grün gemalt. Ferner hatte Grün als Symbol der Fruchtbarkeit in der Sexualmoral des Mittelalters etwas Anrüchiges.

Wir wenden uns lieber der wohltuenden, harmonisierenden und ausgleichenden Wirkung der Farbe Grün zu. Und freuen uns auf den Frühling und geben dafür grünes Licht.

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