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Farbe ist eine Aussage!

Der deutsche Maler Josef Albers hat es eleganter formuliert:

„Farbe ist nicht einfach da, (…)
Farbe lebt:
bewegt sich und bewegt, agiert,
hängt ab und macht abhängig,
wirkt, ist mächtig,
kann sowohl dienen als auch überwältigen.“

In einer losen Reihenfolge möchten wir Ihnen Interessantes, Wissenswertes und Geschichtliches über verschiedene Farben erzählen. Farben sind für uns unverzichtbar. Auch und vor allem in Büros, in denen wir viel Zeit verbringen und in denen zu oft nur einzelne Farben dominieren. Eintönige und ermüdende Raumwahrnehmung sind die Folge. Dennoch wird um das Thema Farbe gerne ein Bogen gemacht. Denn Farbe ist eine Aussage. Man muss im wahrsten Sinne des Wortes Farbe bekennen. Für manche ist das unsicheres Terrain. Deshalb möchten wir uns dem Thema aus einem anderen Blickwinkel nähern und Ihnen die Welt der Farben etwas näher bringen.

Beginnen wir mit der Farbe „Blau“.

Blau ist in unseren Breitengraden die erfolgreichste Farbe. Sie dominiert in Bekleidungsgeschäften, ist in Fußgängerzonen meistgesehen und Institutionen wie die EU, die Unesco oder die Uno haben sie zur ihrer Symbolfarbe gemacht. Sie steht für Disziplin, Konsens, Vertrauen und Verlässlichkeit.

Das war nicht immer so. In der berühmten paläontologischen Höhlenmalerei kommt sie beispielsweise nicht vor. Auch die Antike bringt ihr keine große Leidenschaft entgegen. Blau wird nicht mal als Farbe anerkannt. Nur Weiß, Rot und Schwarz haben den Status einer Farbe. Interessante Ausnahme: Das antike Ägypten. Dort gilt Blau als Glücksbringer im Jenseits. Davon zeugen die teils wunderschönen blau-grünen Grabbeigaben der Pharaonen. Im antiken Rom gilt Blau sogar als Farbe der Barbaren. Als die romanischen Sprachen ihre Farbbegriffe ausbilden, nehmen sie Anleihen bei germanischen und arabischer Sprache. So steht dann auch „blau“ als Pate für das französische „bleu“, das arabische „azraq“ für das italienische „azzurro“.

Ab dem hohen Mittelalter beginnt dann der Aufstieg der Farbe Blau. Der Himmel wird nun blau gemalt. Zuvor malen die Meister ihn meist in rot, schwarz, weiß oder gold. Verstärkt wird die Entwicklung durch den wachsenden Marienkult. Die Mutter Gottes residiert im Himmel und dieser ist nun blau in der bildenden Kunst. Die zunehmende Individualisierung, die für den westlichen Kulturkreis so charakteristisch ist, tut ein übriges. Die bisherigen Grundfarben weiß, rot und schwarz lassen sich nicht ausreichend gut kombinieren, um individuelle Präferenzen zu befriedigen. In der Folge erweitert sich das Farbspektrum auf 6 Farben. Nicht nur Blau, sondern auch Grün und Gelb profitieren davon.

Als ca. 1130 die erste gotische Kathedrale im französischen Saint-Denis entsteht, will der damalige Abt und Bauherr überall farbige Fenster einsetzen, um die Dunkelheit zu vertreiben. Und er setzt vor allem auf Blau. Von Saint-Denis verbreitet es sich über die Städt Le Mans und Vendôme bis hin nach Chartres (weltberühmtes „Chartres-Blau“). Die französischen Könige des Hochmittelalters übernehmen Blau als Herrschaftsfarbe und „adeln“ die Farbe dadurch noch stärker.

Die Nachfrage nach Blau befeuert auch die Wirtschaft. Vor allem das Färberwaid, aus dem Indigo gewonnen wird, sorgt für einen wirtschaftlichen Aufschwung in Regionen wie Thüringen, der Toskana oder der Picardie. Schwarzwälder Flößer exportieren Kobalt nach Holland, wo es zur Porzellanherstellung eingesetzt wird („Delfter Blau“).

Der endgültige Durchbruch kommt im 18. Jahrhundert. Aus Lateinamerika wird Indigoblau günstig importiert. Ebenfalls Anfang des 18. Jahrhunderts wird  das bekannte „Berliner Blau“ generiert. Die deutsche Romantik macht ihrerseits Blau zu einer melancholischen Farbe („den Blues haben…“). Goethes Werther erreicht mit seinem blauen Tuchfrack international Kultstatus.

Vorläufiger Höhepunkt ist vielleicht die Erfindung der ersten blauen Arbeitshose durch den fränkischen Auswanderer Levi Strauss. Die Jeans ist geboren und verbreitet sich über den gesamten Globus. So ist Blau längst keine aristokratische Farbe mehr. Denn was könnte demokratischer sein als die gute alte Blue Jeans?